Andreas Kapp

Alt-katholisch – die neue Heimat

 

Was? Jetzt wollt Ihr zu den Heiden? So war im engeren Familienkreis die erste Reaktion auf den gemeinsamen Austritt aus der römisch-katholischen Kirche von meiner Frau Christiane und mir zu den Alt-Katholiken im Jahr 2006. Die Beweggründe sind nicht so schnell zu erzählen. Es war alles in allem ein sehr langer Weg bis wir diesen Schritt auch formell vollzogen hatten. Der Zeitraum umfasste hierfür über ein Jahrzehnt.

 

Die endgültige Entscheidung war für mich dann die Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst im Jahr 2005. Meine Frau Christiane wäre schon sehr viel früher den Alt-Katholiken beigetreten. Beide aufgewachsen in christlichen Familien waren wir beide in unterschiedlichen Formen in der römisch-katholischen Kirche aktiv. Christiane in Furtwangen und ich damals noch in Plankstadt bei Heidelberg. Als Jugendlicher in den 70er in der KJG, selber Gruppenleiter, organisieren von Ferienfreizeiten, Jugendgottesdiensten, Osternächten für Jugendliche, KJG-Diskos und so weiter. Allerdings war die KJG in den 70er, 80er Jahren zumindest im Dekanat Heidelberg sehr revolutionär eingestellt. Wir setzten uns schon damals sehr kritisch mit der Unfehlbarkeit, dem Zölibat, der Maßregelung von Priestern bezüglich Ökumene oder in Zusammenhang mit der Befreiungstheologie in Südamerika, Hans Küng, Schwangerenberatung, Kommunion für Geschiedene, und vielem, vielem mehr auseinander. Nach meinem Umzug nach Furtwangen und unserer Heirat fanden wir die erste Heimat bei den Salesianern die bei uns ein Don-Bosco Heim unterhielten.

 

Über Freunde und Verwandte besuchten wir aber schon sehr früh die Gottesdienste bei der alt-katholischen Gemeinde in Furtwangen. Wir fanden hier genau die Werte festgeschrieben, die wir gesucht hatten. Priester können heiraten, Geschiedene bzw. alle Konfessionen sind zum Abendmahl eingeladen. Der Priester ist Seelsorger und mehr Hirte als amtliche Autoritätsperson. Es ist sehr familiär, wir machen das Jahr über viel gemeinsam, es wird diskutiert, nicht von oben bestimmt und ein kleines Mosaiksteinchen, das sehr unbedeutend ist, für mich aber ein bisschen Sinnbild der Gemeinschaft: Wir sitzen beim Gottesdienst in den ersten Reihen und drücken uns nicht in die letzten Bänke.

 

Ein Jahr nach der Wahl Ratzingers zum Papst sind wir gemeinsam übergetreten. Da wir drei Kinder haben, wollte meine Frau diesen Schritt nicht alleine tun. Ich brauchte etwas länger. Nach dem Tode Johannes Paul II, waren meine Worte: „Wenn Ratzinger zum Papst gewählt wird, trete ich aus". Die älteste Tochter ist mittlerweile auch unserer alt-katholischen Gemeinde beigetreten. Auch mein Vater war dann schon mal beim Gottesdienst dabei und konnte sich überzeugen, dass wir keine Heiden sind.

 

Für uns ist die alt-katholische Gemeinde Furtwangen unsere Heimat geworden, in der wir auch gerne in vielfältiger Form mitarbeiten.