Über uns

Vorstellung Gemeinde Furtwangen

 

„Liegt bei euch noch Schnee?“ Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich als Pfarrer oder auch die Synodalen der Gemeinde gestellt bekommen, wenn wir zu Treffen im Bistum fahren. Tatsächlich habe ich selbst bisher nur in den Monaten Juli und August noch keinen Schnee erlebt. Im Winter haben wir in Furtwangen viel Schnee. Deshalb steht auch eine Schneefräse in der Garage.

 

Die Gemeinde Furtwangen hat das höchstgelegene Pfarrhaus des alt-katholischen Bistums auf 900 m Höhe, es ist mit der Christi-Auferstehung-Kirche eine bauliche Einheit. Seit 57 Jahren hat die Gemeinde auf ihrem Grundstück am Ilben ihre Heimat.

 

Das war jedoch nicht immer so. Die alt-katholische Gemeinde in Furtwangen hat eine wechselvolle Geschichte. Ganz am Anfang im Jahr 1875 wurde die große Kirche im Ort, St. Cyriak, für 36 Jahre alt-katholische Pfarrkirche. Die römisch-katholische Gemeinde baute während dieser Zeit eine Notkirche im Ort. 1911 bekam die alt-katholische Gemeinde die 1875 erbaute Notkirche, fast für ein Jahr lang war aber die Friedhofskapelle alt-katholische Kirche, da St. Cyriak erst noch renoviert wurde. Die Notkirche war 27 Jahre lang unsere Kirche, bis sie im Jahr 1938 baufällig wurde und abgerissen werden musste. Von da an wurde die evangelische Kirche bis zum Kirchenneubau auch unser zu Hause.

 

Zwar hatte die Gemeinde einen neuen Bauplatz im Ort, die Planungen waren fertig, das Holz schon geliefert – aber durch die Vorbereitungen auf den Krieg konnte nicht gebaut werden. So war die alt-katholische Gemeinde Furtwangen 21 Jahre zu Gast in der evangelischen Kirche. Nach dem Krieg war durch die Inflation das vorhandene Geld des Kirchbaufonds nichts mehr wert, es musste mit der D-Mark erst ein neuer Grundstock aufgebaut werden.

 

1958 war so viel Geld zusammen, dass man einen Bau wagen konnte. Um das Projekt ein bisschen billiger zu machen bekam der Architekt den Auftrag, eine Wand einzusparen. Die Aufgabe löste er dadurch, dass er das Pfarrhaus und die Kirche direkt aneinander baute, ohne jedoch seine Idee , die ihm für die Kirche vorschwebte, zu vernachlässigen: Dort wo die Kirche am niedrigsten ist, 2,50 m, durch den sandsteinverkleideten Turm kommt man in die Kirche hinein. Dann steigt die Decke bis auf 8 m Höhe und leitet den Blick auf das Altarfenster, das die ganze Kirchenbreite einnimmt und den auferstandenen Christus zeigt. Durch das gute Verhältnis des damaligen Pfarrers Wilhelm Eggert mit dem damaligen Bürgermeister gelang ein Grundstücktausch. Deshalb bekam die Gemeinde ein schönes, großes Grundstück am Ilben, der damals gerade neu bebaut wurde.

 

1959 wurde dann endlich Kirchweihe gefeiert und damit hat die Gemeinde eine Heimat bekommen, die sie nicht mehr verlassen muss. Unter dem Fenster mit dem auferstandenen Christus feiern wir unsere Gottesdienste, werden Kinder getauft, gehen zur Erstkommunion und zur Firmung, heiraten Menschen und werden nach ihrem Tod verabschiedet.

 

Der Umbau unseres Gemeinderaumes im Jahr 2013 hat unserer Gemeinde noch einmal ganz neue Möglichkeiten geschaffen, durch den viel größeren Platz im Erdgeschoss des Pfarrhauses.

 

Fest zum Jahreszyklus gehört seit 25 Jahren das Gartenfest, unser Gemeindefest. Zwei Tage lang feiern wir mit vielen Menschen aus Furtwangen, Gütenbach und der Umgebung im großen Festzelt im Gemeindegarten und können so die Freude des alt-katholischen Lebens für andere erkennbar machen.

 

Furtwangen, bekannt als Hochschul- und Industriestadt und Heimat des Deutschen Uhrenmuseums, ist eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern in fünf Ortsteilen. Industrie, Landwirtschaft und ein vielfältiges Vereinsleben prägen das Leben vor Ort, studentische Aktivitäten werden in der Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen.

 

Als Gemeinde im eher ländlichen Bereich sind wir volkskirchlich geprägt. Es gibt einerseits zahlreiche Gemeindemitglieder, die in 4. oder sogar 5. Generation alt-katholisch sind und die Gemeinde durch viele Höhen und Tiefen mitgetragen haben. In den vergangenen Jahren sind vermehrt neue Familien hinzugekommen, die aus der römisch-katholischen oder auch aus der evangelischen Kirche stammen. Im Folgenden kommen zwei Gemeindemitglieder zu Wort, deren Geschichte mit der Gemeinde sehr unterschiedlich ist.                                                                                                          © Joachim Sohn